AKTUELLES:
Binnendifferenzierung im HauptunterrichtEinBlick ins Plastische…
Mit der Einführung der Grundlagenarbeit im Plastizierunterricht erlernen Sie die Vorraussetzungen für den erweiterten Umgang mit Auge und Hand, d.h., dass alles, was wir räumlich sehen und anfassen können, sich aus beschreibbaren körperhaften Formen darstellt. Sie werden diese Formen in Ton nachbilden.
Zuerst bilden Sie Formen aus ihrer Erinnerung heraus. Es ist festzustellen, dass plastisch Nachgebildetes nicht immer mit der eigenen Vorstellung von dem jeweiligen Objekt übereinstimmt und die Frage aufkommen kann: Was ist erforderlich, um mir scheinbar Vertrautes plastisch zu reproduzieren? Sozusagen Körperfremdes zu Körpereigenem zu machen. Das klingt nach Verdauungsprozess. Warum nicht ?
Also versuchen wir, das „Original“ erst einmal abzutasten - am besten mit den Händen. Eine einfache Kugel soll uns als Vorbild dienen, sie ist uns bekannt und lässt auf den ersten Blick keine wesentlichen Fragen aufkommen. Ganz selbstverständlich nehmen wir die uns vertraute Form an - eben eine Kugel.
Eine Eiform reizt unsere Sinne schon mehr - vor allem unseren Tastsinn in den Händen. Warum eigentlich? Es ist zu bemerken, dass unsere Erinnerungen an Gegenstände/Objekte/plastische Körper von festen bildhaften Vorstellungen bestimmt werden.
Schauen wir die Kugel an, so wird unser Auge versuchen, schnellstmöglich die zu Grunde gelegten Gesetzmäßigkeiten wieder zu erkennen, um daraus den uns gewohnten Begriff „Kugel“ zu ziehen. Neues wird wohl immer mit Erfahrenem/Erlebten geprüft und abgeglichen. Das ist uns gegeben. Hier offenbart sich die Möglichkeit, dass ein jeder sich die Frage stellen kann: „Was wäre, wenn…?“; was wäre wenn z.B. die nicht sichtbare Seite des Objekts ganz anders gestaltet wäre?
Allein diese Frage nützt als Grundlage, die Gedankenkräfte in Bewegung zu setzen.
Also, Sie sehen eine Kugel von einer bestimmten Seite und nehmen an, die nicht sichtbare Seite sollte genauso oder ähnlich aussehen. Irrtum ausgeschlossen! Der in diesem Fall vorsätzlich geführte Begriff „Kugel“ sollte aber in Frage gestellt werden, solange die Form nicht ganzheitlich, mindestens mit den Augen, erfasst wurde. Seien Sie also nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig-neugierig! Diese dadurch erzeugte „Verunsicherung“ soll uns als Grundlage dienen, Formen und Formenkräfte neu zu erleben und anders bzw. besser anzuschauen.
Nehmen wir also an, auf der nicht sichtbaren Seite der Kugel befinde sich eine andere Formgestalt, eine nicht konsequent konvexe, sondern eben eine andere. Denken Sie sich jetzt andere Formen und beschreiben sie nur eine von unzählig vielen. Verwenden sie bei ihrer Beschreibung keine Substantive, sondern nur Adjektive! Nun wird die Sache komplizierter. Hier beginnt der erste Übungsschritt im Plastischen! Das Auge wird „entzündet“ und agiert als Spitzhacke am fundamentierten Begriff „Kugel“. Schauen wir in die Natur, in das Pflanzen- und Tierreich und beobachten die vielfältigen Formgestalten, welche sich im Konvexen wie auch im Konkaven darstellen.
Ihre erste kleine Übung: Beschreiben Sie nur die Oberfläche ihrer Hand. Wirklich nur die Oberfläche! Ist sie gewölbt, also konvex, oder hohl eben konkav? Differenzieren Sie Ihr Augenmerk und schauen Sie das Ganze und das Einzelne. Entdecken Sie im Besonderen die Qualitäten der Wölbungen und beschreiben Sie sie. Wie stark wölbt sich der Handballen im Vergleich zur Fingerkuppe? Ist die Oberfläche der Haut gespannt oder fällt sie in sich zusammen? Wie gestaltet sich dazu Ihr Handrücken? usw.
Plastisches Gestalten ist eine komplexe Selbsterfahrung bei der eigenen Umsetzung von Gedachtem oder Gesehenem in real Greifbares. Und nun?
Stellen Sie sich diese Herausforderung für Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene vor. Wie leicht fällt Ihnen gedankliche Beweglichkeit? Und ist die Beweglichkeit im Denken, Fühlen und Handeln nicht die Bedingung für Entwicklung?
Im Seminar können Sie Ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen sammeln.
Für den künftigen Kunstlehrer gilt:
„Kunst kommt von Können!“
Gefahr in Verzug?
Mit der Ergreifung des pädagogischen Berufes als Kunstlehrer an einer Waldorfschule ist der freie/selbständige (bildende) Künstler vor eine große Herausforderung gestellt! Warum?
In seiner oft langjährigen Tätigkeit als Maler oder Bildhauer ist er auf der Suche nach einem/r ganz bestimmten Ausdrucksmittel/Form in der sich seine eigene seelische Stimmigkeit spiegeln will. Dieser Prozess ist selten abgeschlossen, sondern vielmehr ein im besten Sinne andauernder dramatischer Schöpfungsakt. Das dabei Befangenheit, Egozentrik und Eitelkeit hinderliche Begleitzüge sein können, ist nicht auszuschließen. Diese Tugenden sind in gewisser Weise bedingt anwesend, da sie doch eine Signatur höchster seelischer und geistiger Konzentration darstellen. Wie feinstofflich und differenziert eine Form oder Farbe erscheinen soll unterliegt einer fortwährend tiefgründigen Selbstprüfung, welche über die allgemeingültige Grammatik der Bild- und Formsprache hinausgeht. Dabei ist der Zweifel am „Werk“ also sich selbst, ein ständig anwesender Schatten. Es gibt eben kein „so ist es richtig“, sondern nur eine „meine Wahrheit“. Das unterscheidet in gewisser Weise die bildende Kunst vom Handwerk.
Kunst bedingt Handwerk
Wird der Schüler (ca. 15 Jahre) an die freie künstlerische Arbeit herangeführt, so sollte er sich im ersten Schritt ganz und gar unbefangen mit dem Material und dem Thema bewegen können. In dieser ersten Tätigkeit zeigen sich die eigenen Fähigkeiten zur seelischen Beweglichkeit und Wandelbarkeit: Also, was steckt alles in mir und wie gelange ich zu einem Ausdruck dessen durch Form und Farbe?Für den angehenden Kunstlehrer stationiert sich hier der beste Schulungsort der Beobachtung! Hier liegt des Lehrers (Künstlers) erster Lernansatz! Denn wenn der Schüler etwas ganz bestimmtes macht, z.B. den Hinterkopf eines Porträts ausformt und dabei entgegen des realen Vorbilds arbeitet, so stößt das uns sofort auf, weil wir mit diesem „Hinterkopf“ schon eine Beziehung eingegangen sind, nämlich in unserem vielleicht jahrelangen Üb-Prozess. Der angehende Kunstlehrer vergisst, dass der Schüler lediglich seinem Willen einen Ausdruck geben muss und das ist zuerst nur ein Abdruck/Eindruck in die Form oder Farbe! Es besteht eben noch kein sich selbst belebender Strom zwischen dem Fühlen, Denken und Handeln.Hier liegt also die Herausforderung, dass man als Schöpfer (Künstler) den Schüler nicht nach eigenem Bild (Vorbildung) erzieht (…die Tragik des Meisterschülers).
Entbindung: Als Künstler im Lehrberuf ist es unbedingt erforderlich, sich seiner kunst-handwerklichen Gaben zu besinnen und dort einen geordneten und disziplinierten Ansatz zu gründen, z.B. den Erwerb anatomischer Gesetzmäßigkeiten oder das Naturstudium. Sehübungen stehen hier an erster Stelle- das Auge muss geschult werden! Mehr noch sollte der Schüler fragend durch die Welt gehen: Durch was offenbaren sich jene differenzierte Form und diese bestimmte Farbe? Und das geben wir dem Schüler dann an die Hand und entbinden ihn davon „Kunst machen zu müssen“. Die Kunst ist Ausdruck der eigenen Freiheit und obliegt dem Schüler selbst, wann und wie er sich damit verbindet. Unsere (Kunstlehrer) Aufgabe besteht „lediglich“ darin, den Schüler an seinen erlernten künstlerischen „Generalkanon“ zu erinnern, wenn die Empfindung der Seele wieder einmal eigene Wege gehen will. Das heißt: die Verantwortlichkeit gegenüber dem Schüler, wenn er sich in seiner tektonischen Seelenlandschaft (durch den künstlerischen Prozess) verirrt, liegt ganz und gar bei uns Kunstlehrern! Es verlangt von uns Geduld und Hingabe gegenüber dem Schaffenden, ein klares und ehrliches Bekenntnis zur Schöpfung und die Zuversicht an des Schülers Werk.
Ralf Staschik
Zuerst bilden Sie Formen aus ihrer Erinnerung heraus. Es ist festzustellen, dass plastisch Nachgebildetes nicht immer mit der eigenen Vorstellung von dem jeweiligen Objekt übereinstimmt und die Frage aufkommen kann: Was ist erforderlich, um mir scheinbar Vertrautes plastisch zu reproduzieren? Sozusagen Körperfremdes zu Körpereigenem zu machen. Das klingt nach Verdauungsprozess. Warum nicht ?
Also versuchen wir, das „Original“ erst einmal abzutasten - am besten mit den Händen. Eine einfache Kugel soll uns als Vorbild dienen, sie ist uns bekannt und lässt auf den ersten Blick keine wesentlichen Fragen aufkommen. Ganz selbstverständlich nehmen wir die uns vertraute Form an - eben eine Kugel.
Eine Eiform reizt unsere Sinne schon mehr - vor allem unseren Tastsinn in den Händen. Warum eigentlich? Es ist zu bemerken, dass unsere Erinnerungen an Gegenstände/Objekte/plastische Körper von festen bildhaften Vorstellungen bestimmt werden.
Schauen wir die Kugel an, so wird unser Auge versuchen, schnellstmöglich die zu Grunde gelegten Gesetzmäßigkeiten wieder zu erkennen, um daraus den uns gewohnten Begriff „Kugel“ zu ziehen. Neues wird wohl immer mit Erfahrenem/Erlebten geprüft und abgeglichen. Das ist uns gegeben. Hier offenbart sich die Möglichkeit, dass ein jeder sich die Frage stellen kann: „Was wäre, wenn…?“; was wäre wenn z.B. die nicht sichtbare Seite des Objekts ganz anders gestaltet wäre?
Allein diese Frage nützt als Grundlage, die Gedankenkräfte in Bewegung zu setzen.
Also, Sie sehen eine Kugel von einer bestimmten Seite und nehmen an, die nicht sichtbare Seite sollte genauso oder ähnlich aussehen. Irrtum ausgeschlossen! Der in diesem Fall vorsätzlich geführte Begriff „Kugel“ sollte aber in Frage gestellt werden, solange die Form nicht ganzheitlich, mindestens mit den Augen, erfasst wurde. Seien Sie also nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig-neugierig! Diese dadurch erzeugte „Verunsicherung“ soll uns als Grundlage dienen, Formen und Formenkräfte neu zu erleben und anders bzw. besser anzuschauen.
Nehmen wir also an, auf der nicht sichtbaren Seite der Kugel befinde sich eine andere Formgestalt, eine nicht konsequent konvexe, sondern eben eine andere. Denken Sie sich jetzt andere Formen und beschreiben sie nur eine von unzählig vielen. Verwenden sie bei ihrer Beschreibung keine Substantive, sondern nur Adjektive! Nun wird die Sache komplizierter. Hier beginnt der erste Übungsschritt im Plastischen! Das Auge wird „entzündet“ und agiert als Spitzhacke am fundamentierten Begriff „Kugel“. Schauen wir in die Natur, in das Pflanzen- und Tierreich und beobachten die vielfältigen Formgestalten, welche sich im Konvexen wie auch im Konkaven darstellen.
Ihre erste kleine Übung: Beschreiben Sie nur die Oberfläche ihrer Hand. Wirklich nur die Oberfläche! Ist sie gewölbt, also konvex, oder hohl eben konkav? Differenzieren Sie Ihr Augenmerk und schauen Sie das Ganze und das Einzelne. Entdecken Sie im Besonderen die Qualitäten der Wölbungen und beschreiben Sie sie. Wie stark wölbt sich der Handballen im Vergleich zur Fingerkuppe? Ist die Oberfläche der Haut gespannt oder fällt sie in sich zusammen? Wie gestaltet sich dazu Ihr Handrücken? usw.
Plastisches Gestalten ist eine komplexe Selbsterfahrung bei der eigenen Umsetzung von Gedachtem oder Gesehenem in real Greifbares. Und nun?
Stellen Sie sich diese Herausforderung für Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene vor. Wie leicht fällt Ihnen gedankliche Beweglichkeit? Und ist die Beweglichkeit im Denken, Fühlen und Handeln nicht die Bedingung für Entwicklung?
Im Seminar können Sie Ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen sammeln.
Für den künftigen Kunstlehrer gilt:
„Kunst kommt von Können!“
Gefahr in Verzug?
Mit der Ergreifung des pädagogischen Berufes als Kunstlehrer an einer Waldorfschule ist der freie/selbständige (bildende) Künstler vor eine große Herausforderung gestellt! Warum?
In seiner oft langjährigen Tätigkeit als Maler oder Bildhauer ist er auf der Suche nach einem/r ganz bestimmten Ausdrucksmittel/Form in der sich seine eigene seelische Stimmigkeit spiegeln will. Dieser Prozess ist selten abgeschlossen, sondern vielmehr ein im besten Sinne andauernder dramatischer Schöpfungsakt. Das dabei Befangenheit, Egozentrik und Eitelkeit hinderliche Begleitzüge sein können, ist nicht auszuschließen. Diese Tugenden sind in gewisser Weise bedingt anwesend, da sie doch eine Signatur höchster seelischer und geistiger Konzentration darstellen. Wie feinstofflich und differenziert eine Form oder Farbe erscheinen soll unterliegt einer fortwährend tiefgründigen Selbstprüfung, welche über die allgemeingültige Grammatik der Bild- und Formsprache hinausgeht. Dabei ist der Zweifel am „Werk“ also sich selbst, ein ständig anwesender Schatten. Es gibt eben kein „so ist es richtig“, sondern nur eine „meine Wahrheit“. Das unterscheidet in gewisser Weise die bildende Kunst vom Handwerk.
Kunst bedingt Handwerk
Wird der Schüler (ca. 15 Jahre) an die freie künstlerische Arbeit herangeführt, so sollte er sich im ersten Schritt ganz und gar unbefangen mit dem Material und dem Thema bewegen können. In dieser ersten Tätigkeit zeigen sich die eigenen Fähigkeiten zur seelischen Beweglichkeit und Wandelbarkeit: Also, was steckt alles in mir und wie gelange ich zu einem Ausdruck dessen durch Form und Farbe?Für den angehenden Kunstlehrer stationiert sich hier der beste Schulungsort der Beobachtung! Hier liegt des Lehrers (Künstlers) erster Lernansatz! Denn wenn der Schüler etwas ganz bestimmtes macht, z.B. den Hinterkopf eines Porträts ausformt und dabei entgegen des realen Vorbilds arbeitet, so stößt das uns sofort auf, weil wir mit diesem „Hinterkopf“ schon eine Beziehung eingegangen sind, nämlich in unserem vielleicht jahrelangen Üb-Prozess. Der angehende Kunstlehrer vergisst, dass der Schüler lediglich seinem Willen einen Ausdruck geben muss und das ist zuerst nur ein Abdruck/Eindruck in die Form oder Farbe! Es besteht eben noch kein sich selbst belebender Strom zwischen dem Fühlen, Denken und Handeln.Hier liegt also die Herausforderung, dass man als Schöpfer (Künstler) den Schüler nicht nach eigenem Bild (Vorbildung) erzieht (…die Tragik des Meisterschülers).
Entbindung: Als Künstler im Lehrberuf ist es unbedingt erforderlich, sich seiner kunst-handwerklichen Gaben zu besinnen und dort einen geordneten und disziplinierten Ansatz zu gründen, z.B. den Erwerb anatomischer Gesetzmäßigkeiten oder das Naturstudium. Sehübungen stehen hier an erster Stelle- das Auge muss geschult werden! Mehr noch sollte der Schüler fragend durch die Welt gehen: Durch was offenbaren sich jene differenzierte Form und diese bestimmte Farbe? Und das geben wir dem Schüler dann an die Hand und entbinden ihn davon „Kunst machen zu müssen“. Die Kunst ist Ausdruck der eigenen Freiheit und obliegt dem Schüler selbst, wann und wie er sich damit verbindet. Unsere (Kunstlehrer) Aufgabe besteht „lediglich“ darin, den Schüler an seinen erlernten künstlerischen „Generalkanon“ zu erinnern, wenn die Empfindung der Seele wieder einmal eigene Wege gehen will. Das heißt: die Verantwortlichkeit gegenüber dem Schüler, wenn er sich in seiner tektonischen Seelenlandschaft (durch den künstlerischen Prozess) verirrt, liegt ganz und gar bei uns Kunstlehrern! Es verlangt von uns Geduld und Hingabe gegenüber dem Schaffenden, ein klares und ehrliches Bekenntnis zur Schöpfung und die Zuversicht an des Schülers Werk.
Ralf Staschik











