Der dritte Wert: Die „Allgemeine Menschenkunde“ Rudolf Steiners

Aber halt! Diesen anderen Menschen dort drüben, den hätte ich vermutlich niemals getroffen, wenn ich nicht ins Seminar gegangen wäre, wo wir gemeinsam das Fach „Grundlagen“ besuchen. Und schon tritt der dritte Wert ins Bewusstsein. Ob ich ihn verwirklicht habe, kann ich jederzeit überprüfen, indem ich mich frage: Was habe ich heute über die „Allgemeine Menschenkunde“ kennengelernt? Falls die Antwort lautet: „Nichts“, dann werde ich dafür sorgen, dass unsere nächste Sitzung sich auf die Textarbeit konzentriert, oder auf die gemeinsame Arbeit an den Grundbegriffen. Wie werde ich dafür sorgen? Indem ich die Sitzung versuchsweise leite, und zwar so, dass meine Absicht sich durchsetzt. Der Dozent benimmt sich dann eben wie alle anderen TeilnehmerInnen auch. Und am Ende der Sitzung erzählen mir die Anderen, wie sie meine Leitung erfahren haben. Vielleicht übernehme ich auch das Ritual, das der Dozent eingeführt hat. Der Textabschnitt wird – erstens - laut vorgelesen. Dann folgt – zweitens - eine Stillbeschäftigung. Danach versucht jemand – drittens - den Text sinngemäß zusammenzufassen. Die Zusammenfassung wird ihrerseits – viertens - durch weitere MitarbeiterInnen wiederholt, bis der/die erste SprecherIn sich verstanden fühlt!
Inzwischen fragen wir uns – fünftens- : Was stand denn nun wirklich im Text? Also wird der Text nochmals – sechstens - laut vorgelesen. Erst jetzt beginnt - siebentens - die allgemeine Debatte über die Aussagen des Textes.
Dieses Verfahren wird in den ersten Sitzungen eingeübt, später können wir es vereinfachen. Was die Debatte betrifft, also die Zeitphase „sieben“, so ist Kritik jederzeit möglich. Vorausgesetzt allerdings, dass wir zuerst mal wissen, was eigentlich in dem Text steht. Dessen Verfasser hat dieselben Menschenrechte wie wir alle. Er hat das Recht darauf, verstanden zu werden. Und dies ist der dritte Wert.